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17.04.2010 | Dennis Wiesch
Nach unzähligen Vorschußlorbeeren und einem wirklich richtig guten Album musste ich mich nun auch selbst von den Live-Qualitäten der Jazz-Newcomerband der Stunde überzeugen. Kaum ein Feuilleton kam in den letzten Wochen an ihnen vorbei, die Kritiker überschlugen sich und – was will man mehr – jetzt sind sie sogar noch auf Deutschlandtour! Die Rede ist vom Portico Quartet aus London. Vier Jungs so in etwa Mitte 20, die gerade den manchmal etwas verkrusteten und verstaubten Jazzlocations neues Leben einhauchen.
Seit einigen Tagen spielt sich das Quartet durch die Jazzclubs des Landes, macht auch vor Kirchen (wie vor kurzem in Bochum) keinen Halt und erreicht mit seinem Sound interessanter- und glücklicherweise auch ein auffällig junges Publikum. Am Mittwoch, den 14.04.2010, gastierte das Portico Quartet nun im Offenburger Spitalkeller, ein kleiner gemütlicher Gewölbekeller direkt in der Innenstadt gelegen. Nicht das erste Mal, das Thomas Heuberger und der Verein 361° Konzerte e. V. (junge) Nachwuchstalente in den Club holen und Experimente wagen.
An diesem Abend ist der Spitalkeller für seine Verhältnisse erfreulich gut besucht, ungefähr 50 Leute haben den Weg hierher gefunden. Für die Veranstalter schon ein Erfolg, was einerseits natürlich toll, andererseits mich aber auch sehr nachdenklich stimmt. Die Konkurrenz in Straßburg, Freiburg und Karlsruhe ist vermutlich dann leider doch eine Nummer zu groß.
Aber nun gut, die vier sympathischen und schüchternen Engländern scheint dies nicht zu stören. »Hier sieht es aus wie in einem Wohnzimmer«, meint Nick Mulvey während einer seiner netten Ansagen. Alle Vier machen auf mich einen leicht abgekämpften Eindruck, was bei dem Tourplan aber auch wirklich kein Wunder ist, verwischen diesen aber durch viel Energie, Spielfreude und Leidenschaft. Direkt der erste Song »Isla« möchte mich am Liebsten aus dem Sitz reißen und erzeugt Gänsehaut. Das dezente »Hang«-Spiel Mulveys, das durch seine gefühlvollen warmen Akkorde und Melodien getrost als Pianoersatz bezeichnet werden darf, harmoniert bestens mit der Rhythmussektion Milo Fitzpatrick (Bass) und Duncan Bellamy (Schlagzeug) und dem teilweise wilden Saxophonspiel Jack Wyllies. Mit dem gleichen Temperament geht es in den nächsten Songs weiter und mündet in dem fantastischen »Clipper«, ein Stück dass eindrucksvoll beweist, wie prächtig sich das Quartet auch auf der Bühne versteht. Kein Wunder, kennen sich die vier Musiker doch schon aus gemeinsamen Schulzeiten und begannen ihre Karriere als Straßenmusiker. Nicht ein Stück des neuen Albums wird ausgelassen, teilweise werden die Songs noch durch spannende Improvisationsparts verlängert. Im Zugabenteil werden dem restlos begeisterten Publikum noch zwei Stücke ihres ersten Albums »Knee-deep in the North Sea« zum Besten gegeben. Auffällig ist dass bis auf Nick Mulvey alle eine auffällige Schüchternheit an den Tag legen und nur gelegentlich recht verstohlen ins Publikum linsen. Nach mehr als 90 Minuten Konzert ist Schluss, es gibt eine Menge Applaus und man würde dieser Band am Liebsten noch die ganze Nacht weiter zuhören. Direkt im Anschluss verkaufen und signieren die vier Jungs direkt am Bühnenrand noch die eigenen CDs sowie eine im Handel nicht erhältliche EP mit vier Songs, die es nicht auf ihr aktuelles Album »Isla« geschafft haben. Sie scheinen glücklich und zufrieden und freuen sich aufrichtig über jedes Kompliment dass ihnen vom Publikum gemacht wird.
So endet ein großartiger Abend eines liebevoll organisierten Konzerts in einer äußerst passenden und ansprechenden Location.
22.08.2011
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