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19.04.2010 | Markus Muffler
Normalerweise ist es oft so, daß Musiker, egal wie bedeutend sie waren oder sind, nur beiläufig ihre Vorbilder oder Einflüsse erwähnen und diese im Verlauf ihrer Karrieren auch immer wieder verändern und anpassen. Nicht so Frank Zappa.
Auf seinem legendären ersten Album »Freak Out«, das er zusammen mit den Mothers of Invention (den Ur-Mothers) im Jahre 1966 als erstes Doppelalbum der Rockgeschichte einspielte, vermerkt er insgesamt 179 Musiker, Performer oder Komponisten, die für ihn Vorbilder waren oder ihn sonst in irgendeiner Art und Weise beeinflusst haben. Diese Einflüsse haben sich, wenn Frank danach gefragt wurde, bis zu seinem Tod im Jahre 1993 nicht verändert.
Im Verlauf dieses Monats erscheint nun bei in-akustik eine DVD, die die »Freak Out List« sozusagen mikroskopisch seziert und die wichtigsten Namen daraus in einen Kontext mit Zappas Gesamtwerk bringt. Die sehr abwechslungsreiche, komplett in englisch und ohne Untertitel produzierte DVD bietet sowohl für Hardcore Zappa-Fans (zu denen der Autor gehört), als auch für musikgeschichtlich Interessierte viele überraschende Aspekte.
Dies wird vor Allem durch die Vielzahl der exklusiven und ausgiebigen Interviews erreicht. Zu Wort kommen dabei verschiedene Mitglieder der Mothers of Invention, wie der Synthesizer-Pionier Don Preston, der Multiinstrumentalist und Komponist Ian Underwood oder der Keyboarder und Pianist George Duke. Die beiden Zappa-Biographen Ben Watson und Greg Russo liefern sehr schöne Einblicke in den Einfluß der »Freak Out List« auf den jeweiligen Schaffensstand des Komponisten Frank Zappa. Den musikhistorischen Hintergrund beleuchten dabei sehr eingängig und verständlich die beiden Musikwissenschaftler David Nicholls und Alan Clayson.
Die DVD beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit vier verschiedenen Einflußgruppen. Zunächst wird ausgiebig Frank Zappas Leidenschaft für moderne klassische Musik, insbesondere für Zwölftonmusik anhand der Einflüsse durch Karlheinz Stockhausen, Edgar Varèse oder Pierre Boulez beleuchtet.
Sehr breiten Raum nehmen die Künstler der Liste in Anspruch, die Zappas virtuoses Gitarrenspiel maßgeblich beeinflussten, wie beispielsweise die R’n’B Größen Richard Barrie (»Louie Louie«), Guitar Slim und ganz besonders Johnny »Guitar« Watson, mit dem Zappa auf verschiedenen Alben, beispielsweise auf »One Size Fits All« großartig zusammengearbeitet hat.
Für diejenigen, die Frank Zappas Werk bislang nicht so detailliert verfolgt haben, ist die größte Überraschung wohl der Einfluß des sogenannten »Doo-Wop«, oder Vocal Pop Harmony R’n’B. Als dessen Vertreter auf der »Freak Out List« werden unter anderem »The Clovers«, »The Moonglows« oder »The Cadillacs« gefeatured.
Frank Zappa hatte auf Nachfrage immer eine sehr ambivalente Meinung zum Jazz, produzierte jedoch mit den Alben »Hot Rats«, »Waka Jawaka« oder »The Grand Wazoo« bahnbrechende Jazz-Rock Alben. Auf der DVD wird Franks Jazzaffinität als vierter und sehr bedeutender musikalischer Einfluß beleuchtet. Ganz besonders wird hier ausführlich auf Zappas Zusammenarbeit mit dem französischen Jazzgeiger Jean-Luc Ponty und dabei vor Allem auf die Komposition »King Kong« eingegangen.
Diese DVD ist von Anfang bis zum Ende sehr empfehlenswert. Sie schafft es die komplexe Person und das nicht minder komplexe Werk Frank Zappas auf entspannte und unterhaltsame Weise zu systematisieren.
22.08.2011
Jan Obri
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