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25.02.2010 | Dennis Wiesch
In der heutigen Zeit mit einem non-mainstream Label Erfolg haben zu wollen, bedeutet in der Regel, sich zumindest aktuellen Trends unterwerfen zu müssen, Kompromisse einzugehen und ausgeklügelte Marketingstrategien zu entwickeln. Oder genau das Gegenteil. Seit mehr als 15 Jahren steht das Londoner Label »Soul Jazz« für Beständigkeit und Qualität.
Durch eine Vielzahl an sensationellen Compilations, Künstleralben und Singles aus den unterschiedlichsten Bereichen und Genres der Musik hat sich Soul Jazz in der internationalen Musiklandschaft etabliert und ist aus dieser nicht mehr weg zu denken.
Gegründet wurde das Label Anfang der 90er Jahre von Stuart Baker, ein englischer Kulturjournalist, Plattenverkäufer und -sammler.
Alles begann 1991 als Stuart Baker mit seinem Plattenladen »Sounds of the Universe« in London von Camden nach Soho umsiedelte. Zu der Zeit war es beinahe unmöglich geworden, alle Kundenwünsche nach raren und schwer aufzutreibenden Platten zu erfüllen und Baker entschloss sich kurzerhand, sich selbst um die Rechte und Lizenzierungen zu kümmern. Es gelang ihm, diverse Inhaber an bestimmten Songrechten aufzuspüren und konnte so die Tonträger in einer kleinen Auflage selbst produzieren und wieder veröffentlichen.
Mittlerweile ist Soul Jazz zu einem kleinen florierendem Betrieb gewachsen, Baker hat neun Leute um sich, die ihm bei der Buchhaltung, Lizenzierungen, Presse, Marketing, Produktion helfen und unterstützen.
»Bei uns gibt es keine spezielle Releasepolitik, wir bringen das auf den Markt, wo uns gerade der Sinn nach steht und gut in die entsprechende Zeit passt« sagt Baker, der letzten Endes immer alleine entscheidet, was veröffentlicht wird und was nicht.
Das Spektrum von Soul Jazz deckt im Grunde die komplette Bandbreite nicht-kommerzieller Musik ab. Ob Reggae, Ska, Soul, Blues, Jazz, Salsa oder Techno, hier wird großen Wert auf die Qualität und die richtige Auswahl gelegt und nicht auf gegenwärtige angesagte Strömungen. Die Compilations sollen zum einem Einsteiger an die Musik heranführen und gleichzeitig den Nerd und Kenner mit bisher unentdeckten Perlen begeistern. Diesen Spagat meistert Soul Jazz auf Zusammenstellungen wie »Nu Yorica«, »100% Dynamite«, »Philadelphia Roots«, »Big Apple Rappin« oder »Acid: Can you Jack?« äußerst eindrucksvoll.
Einige dieser Compilations wie zum Beispiel die Strata-East Compilation von 1994 sind heutzutage enorm schwer zu finden und erreichen auf Verkaufsportalen im Internet teilweise astronomische Summen.
Gleichzeitig erscheinen auf dem Londoner Label auch Portraits von so nachhaltig prägenden Künstlern wie Arthur Russell, Tom Moulton, ESG oder A Certain Ratio. »Mit den meisten dieser Künstler verbindet mich eine langjährige Freund- oder zumindest Bekanntschaft, so dass eine Zusammenarbeit sprichwörtlich auf der Hand lag. Ich habe mich mein ganzes Leben schon intensiv mit den verschiedensten musikalischen Genres auseinandergesetzt und war immer sehr interessiert daran, neues zu entdecken«, so Stuart Baker. »Durch Latin Jazz aus New York kam ich nach Kuba zu Santerismus, diese brachte mich wiederum nach Haiti zu haitianischen Voodoo Trommeln. ESG zum.Beispiel sind Anhänger dieser Religion, so entstand damals dann auch der Kontakt.“ Je tiefer man gräbt, um so mehr spürt man nun mal auf.
Ganz anders war es beim Thema Dubstep: »Das Aufmerksamwerden auf die Dubstep-Bewegung haben wir ganz klar unserem Plattenladen zu verdanken. Wir verkauften regelmäßig die White Labels der jungen Produzenten und gelegentlich veröffentlichten wir die Songs dann auch einfach selbst.« So entstand die »Steppas’ Delight« – Serie.
Aber auch an Soul Jazz und dem angegliedertem Plattenladen kommt der mp3-Trend nicht vorbei, so ist es mittlerweile möglich, auf der Website auch Files zu kaufen. »Ich stehe zwar überhaupt nicht drauf, man darf sich diesem Trend aber heutzutage nicht verschließen, wenn man da draußen überleben will«, so Baker.
Vor einigen Wochen hat das Label den nächsten Schritt gewagt und in Zusammenarbeit mit Gilles Peterson das Buch »Freedom, Rhythm & Sound« über Plattencover und deren Geschichte aus den Jahren 1965-1983 veröffentlicht. »Mit Gilles zusammen zu arbeiten macht ungemein viel Spaß, da er mit seinem fundiertem Wissen und seiner Energie und Leidenschaft so viel zum erfolgreichen Gelingen eines Projektes beiträgt. Ich beschäftige mich selbst schon lange mit Design und so war natürlich das Cover einer Schallplatte seit jeher immer sehr interessant für mich. Es hat riesigen Spaß gemacht, in Gilles’ und meiner Sammlung zu wühlen und all die alten tollen Schallplatten aufzuspüren und ästhetische Zusammenhänge zu entdecken.«
Auch in der Zukunft wird sich Soul Jazz nicht nur auf CDs und Vinyl konzentrieren, so ist gerade eine DVD mit Live-Aufnahmen von Bands aus der No Wave - Musik wie The Static oder Ut erschienen und bald kommt das zweite Buch mit dem Titel »Kanaval: Voudou, Politics and Revolution on the Streets of Haiti« auf den Markt. Ein Projekt, das schon seit mehreren Monaten in Planung ist.
Irgendwie passt Soul Jazz doch gut zu Between the Beats: Handpicked, rare Sounds etc. Ihr solltetr zusammen etwas auf die Beine Stellen.
Jon
08.03.2010 | 23:21
Soul Jazz ist richtig gut.
Alleine wegen der umfangreichen und informativen Booklets lohnt es sich schon, die CDs zu kaufen. Habe mittlerweile auch eine recht stolze Sammlung von deren Katalog.
Jon
13.03.2010 | 18:44
Hab die Nu Yorica Compilation von Soul Jazz mal wieder aus dem Regal gezogen. Passte gut zu dem sonnigen Wetter heute. Culture Clash und Latin Music im New York der 70er von Leuten wie Joe Bataan, Harlem River Drive und Eddie Palmeri. Richtig gut.
Die Nu Yorica Compilations habe ich leider nicht, muss ich wohl mal anhören. Dafür suche ich schon seit Jahren verzweifelt die Strata East Compilation auf Soul Jazz, leider ist die bei allen Verkaufsportalen ziemlich teuer...
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Eines der prägendsten Piano-Jazz-Stücke ever! Monk in Hochform.
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