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17.11.2009 | Markus Muffler
Im November des vergangenen Jahres bin ich über folgenden Hinweis „gestolpert“:
„Am 1.12.2008 findet in Oakland Park im US-Bundesstaat Florida um 16.30h die feierliche Eröffnung des Jaco Pastorius Parks statt. Ab 18.00h findet dort ein Freikonzert mit Musikern statt, die eng mit Jaco verbunden waren, darunter der Perkussionist Bobby Thomas (Ex-Weather Report) und Steel Drummer Othello Molineau.“
Wenn es in Florida zu Ehren dieses wunderbaren Künstlers einen Park mit seinem Namen gibt, finde ich, dass ein Feature bei Between the Beats das Mindeste ist, um Jaco zurück auf unser musikalisches Radar zu bringen.
Jetzt am 1. Dezember 2009, wäre Jaco 58 Jahre alt geworden, wäre er nicht im September 1987 in Fort Lauderdale, Florida, von einem Türsteher erschlagen worden. Als Jaco starb, war er ein Wrack, zerstört durch Drogen- und Alkoholexzesse, hilflos im Umgang mit Ruhm und Genialität.
Ich will mich im Folgenden nicht zu sehr mit Details über Jacos Leben und Mythos beschäftigen, hierzu empfehle ich die hervorragende Biographie „The extraordinary and tragic life of Jaco Pastorius, the World’s greatest Bass Player“ von Bill Milkowsky. Vielmehr will ich versuchen, Jacos einzigartige Virtuosität anhand einer subjektiven Playlist aufzuzeigen, und hoffe dabei ganz besonders, dass ich „Neulinge“ für Jacos Musik gewinnen kann, aber auch alte Fans daran zu erinnern, vielleicht einmal wieder die eine oder andere Platte mit seiner Musik aufzulegen.
Jaco hat das Spielen des E-Basses Ende der 70er Jahre völlig neu erfunden. Er hat einen singenden Sound geschaffen und seinem Instrument sanfte Flageolettetöne entlockt, so dass der Bass durch Jaco in das Spielgerät eines Virtuosen verwandelt wurde, und eben nicht mehr nur ein Schattendasein in der „Rhythm Section“ führen musste. Jaco spielte einen Fender Jazz Bass aus dem Jahre 1962 mit einem ungewöhnlich schmalen Hals, aus dem er die Bünde mit einem Messer entfernt hatte (!). Die entstandenen Fugen hatte er mit Kitt zugespachtelt und das Griffbrett mit Bootslack überzogen, so dass die Saiten nicht ins Holz schneiden konnten. Dieser „Bass of Doom“ (Bass des Schicksals), wie Jaco ihn taufte, wurde ihm im Jahre 1986 im Central Park in New York City gestohlen, als er, wie es bei ihm leider in jener Zeit oft vorkam, wohl auf irgendeine Weise weggetreten war. Das Verrückte ist nun, dass der Bass nun erst Anfang 2008 wieder aufgetaucht ist. Wer auch immer ihn besessen hatte, übergab ihn dem New Yorker Studiobassisten Will Lee, der seine Echtheit zusammen mit den beiden berühmten Bassisten-Kollegen Victor Bailey und Victor Wooten überprüfte. Das Trio lies über die Fachzeitschrift Bass Player die Echtheit von Jacos Bass verkünden. Noch immer wohne dieselbe Klangfarbe, Wärme und Beständigkeit des Tons in dem Instrument, wie wir ihn kennen.
Seine größten Erfolge feierte Jaco mit Weather Report (Gründung 1970, Auflösung 1985), einer der berühmtesten, wenn nicht die berühmteste Jazzrock-Formation der Musikgeschichte. Jaco bildete zusammen mit Wayne Shorter (Saxophone) und dem leider 2007 verstorbenen Joe Zawinul (Keyboards) den Kern der Gruppe. Jacos Zeit bei Weather Report, zwischen 1976 und 1982, markierte die Periode der größten Erfolge der Formation.
Ich finde die Einzigartigkeit von Jacos Spiel kommt in der Ballade „A Remark you made“ erstmals erschienen auf dem Album „Heavy Weather“ , ganz besonders zur Geltung. Wie sein Bassspiel gleichzeitig Rhythmus, aber auch, zusammen mit Wayne Shorters Tenorsaxophon, melodieführend ist, ist einmalig. Dieses Stück gehört für mich zu den schönsten Balladen der Musikgeschichte.
Auf der Liveaufnahme „8:30“ (Columbia) ist Jaco in dem Stück „Slang“ solistisch zu hören. Hier zeigt er, dass Soundeffekte für ihn Teil der Virtuosität waren. Im Jahre 2002 wurde übrigens eine Doppel-CD von Weather Report mit dem Titel „Live and Unreleased“ (Columbia) veröffentlicht, in der Vieles aus Jacos Endjahren bei Weather Report erstmalig live zu hören ist. Ganz besonders empfehlen möchte ich hier „Night Passage“ und „Port of Entry“.
Jacos Solo-Debütalbum erschien 1976 unter dem Titel „Jaco Pastorius“ (Epic/Legacy) und schlug sofort ein. Die Kritiker erkannten das Revolutionäre in seinem Spiel. Man war sich darüber einig, dass Jaco für den elektrischen Bass die Bedeutung hat, die Charles Mingus für den Akkustik-Bass hatte. Aus seinem Debütalbum möchte ich „Donna Lee“, ein Duett zwischen Jaco am Bass und Don Alias and den Congas, sowie das funky swingende „Come on, Come Over“ besonders empfehlen.
Auf seinem zweiten offiziellen Soloalbum „Word of Mouth“ (Warner), das 1981 erschien, zeigt Jaco neben seinem Spiel auch seine besonderen kompositorischen Fähigkeiten. Hier möchte ich die Mini-Suite „3 Views of a Secret“ ganz besonders hervorheben, außerdem „Chromatic Fantasy“ und das Titelstück „Word of Mouth“.
Jaco arbeitete neben Weather Report und solistisch, ebenfalls mit dem Who is Who des Jazz der 70er Jahre. Nachfolgend hierzu eine kleine Auswahl:
Viel Spaß beim (Wieder)Entdecken der Musik dieses genialen Künstlers!
bassman
03.12.2009 | 08:05
Und wo bleibt Jacos tolles Stück Punk Jazz?
Fender gab ihm zu Ehren sogar eine bundlose Jaco-Pastorius-Version des Jazz Bass heraus.
Jaco ist der Beste!!
Bassborat
26.12.2009 | 08:27
for me,Jaco's spiritis still herewith us!!
Jeah, JACO was something else! I heard him live, 1978 with Weather Report in Erlangen (Germany). Today I am proud to play the Fender Jazz Bass Jaco Pastorius Relic, Its the best fretless bass I have ever player.
daniel achenbach
13.04.2010 | 18:54
ich möchte mir erlauben etwas(vor allem für diejenigen, die jaco nur vom hören-sagen her kennen) hinzuzufügen:
viele bewundern ihn für seine virtuosität und seine hervorragende technik. was ihn bei genauerer studie allerdings für mich einzigartig macht,ist sein songdienliches begleiten-seltsamer weise hat das noch nie jemand angemerkt. wenn jemand etwas über wirklich grossartiges bassspiel lernen will dann sollte er sich mal "a remark you made", "refuge of the roads" mit joni mitchell oder "cannonball" anhören anstelle der halsbrecherisch schnellen "punk jazz", "havona" oder "teen town", womit man ihn sonst als erstes in verbindung bringt..
@daniel achenbach: ich stimme dir voll und ganz zu. Das songdienliche Begleiten quasi als Melodieinstrument, gepaart mit einem wunderbaren Feeling für Groove ist das einzigartige an Jaco. Ich finde Christian McBride kommt dem heute sehr nahe. außerdem: A Remark You made ist für mich eine der schönsten Jazzballaden aller Zeiten.
"Jaco spielte einen Fender Jazz Bass aus dem Jahre 1962 mit einem ungewöhnlich schmalen Hals..." Käse, ist ein ganz normaler Jazz Bass, der Hals ist halt etwas schmäler als der Preci Hals...
Martin Jaeger
21.04.2010 | 16:26
Jaco ist immer bei mir, wenn ich Bass spiele. Irgendwie glaube ich, dass bei seinem Tod, wie aus einer Samenkapsel sein Genie auf die Jaco Jünger verteilt wurde ( soll nicht heißen, dass ich auch nur annähernd so gut bin wie Er ). Ich habe mir Porttrait of Tracy ´rausgehört und würde mich freuen, wenn es da draußen jemanden gibt, dem ich das beibringen kann, so quasi als " Weitervererbung "....;-) meine Mail mj@ortho-jaeger.de
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