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02.11.2009 | Dennis Wiesch
Das 2007 im Reclam Verlag erschienene Buch “Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche” ist ein sehr intimes und eindrucksvolles Werk, dass einen tiefen Einblick in das Seelenleben der bedeutendsten Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts gewährt.
Entstanden sind die unzähligen Fotos von Baronesse Pannonica de Koenigswarter geb. Rothschild. Man darf sie getrost als eine Legende der ganz besonderen Art und als die gute Seele der Jazzmusik bezeichnen, der sich von den 1950er Jahren bis in die 80er Jahre hinein viele große Musiker anvertrauten und von ihr umsorgt und teilweise sogar gepflegt wurden. Von allen nur Nica genannt, wurde sie in etwa zwei Dutzend Jazzstandards von unter anderem Horace Silver, Thelonious Monk, Kenny Drew, Tommy Flanagan und Sonny Clark unsterblich gemacht.
Bis zu ihrem Tod im November 1988 hatte die Baronesse ein sehr bewegtes und aufregendes Leben hinter sich.Geboren am 10.12.1913 in London, kam sie schon sehr früh mit (Jazz-)Musik in Kontakt. Ihr Vater besaß eine umfangreiche Plattensammlung und ihr Bruder war studierter klassischer Pianist, der bei Benny Goodman in die Lehre ging. Die Faszination für diese Musik sollte sie nie mehr loslassen, selbst als sie ihrem Mann Jules im 2. Weltkrieg in diversen Ländern Afrikas zur Seite stand und mit ihm die halbe Welt bereiste. Durch den diplomatischen Dienst ihres Mannes verschlug es sie unter anderem nach Norwegen und Mexiko. Geplagt von all den Reisen, wählte sie als ihren festen Wohnsitz eine Suite in dem feinen New Yorker Hotel “Stanhope”.Die endgültige Begeisterung für Jazzmusik brach bei ihr aus, als sie zum ersten Mal das von Thelonious Monk, mit dem sie bis zu seinem Tod eine sehr enge Freundschaft verband, komponierte Round Midnight hörte. Sie freundete sich schnell mit vielen Musikern wie Lionel Hampton, Art Blakey, Coleman Hawkins, Sonny Clark und Charlie Parker, um nur einige zu nennen, an und war beinahe jeden Abend in einem der hiesigen Jazzclubs (Birdland, Five Spot, Village Vanguard, Minton‘s Playhouse) anzutreffen. Sie engagierte sich immer stärker für die Musik, die Rechte der Künstler und mehr Aufmerksamkeit des Jazz in der Öffentlichkeit, trat der Musikergewerkschaft bei und war eine Zeit lang sogar als Agentin für Art Blakey tätig.Ihr Beliebtheitsgrad bei den Musikern wuchs vor allem durch ihre meist spontan einberufenen Einladungen, nach den Jamsessions den Abend in ihrer Suite mit Musik ausklingen zu lassen. Im März 1955 bat der große Charlie Parker kurz vor seinem Tod bei ihr um Unterkunft und sie geriet des Öfteren in die Schlagzeilen der Presse, die sie an den Pranger stellten, da sie sich als weiße Person beinahe ausschließlich in der Gesellschaft Schwarzer befand.Ihre zweite große Leidenschaft neben der Musik war die abstrakte Malerei und so ergab es sich gelegentlich, dass sie auch Albumcover für ihre befreundeten Musiker anfertigte.Nach ihrem Umzug in das von Monk getaufte “Cathouse” in New Jersey kam ihr dann die Idee für dieses Buch. Die meisten der in diesem Buch abgedruckten Portraitbilder sind in der intimen Atmosphäre des “Cathouses” aufgenommen. Sie gewöhnte es sich an, die fotografierten Musiker beiläufig nach ihren drei Wünschen zu fragen. Dadurch kamen viele Probleme und Sorgen der Musiker zum Ausdruck. Viele Wünsche drehten sich immer um die gleichen Themen: Geld, Liebe, Famile und Gesundheit. Erstaunlich wenige thematisierten Rassismus und Religion.Mit der Idee, die Bilder zusammen mit den Wünschen der 300 zwischen 1961 und 1966 befragten Musiker als Buch zu veröffentlichen, sprach sie bei vielen Verlagen vor, wurde aber überall abgelehnt, da keiner so recht an den Erfolg glauben wollte und zu dieser Zeit die Rassenproblematik in Amerika einfach noch zu sehr präsent war.Also kümmerte sie sich weiter um ihre geschätzten Musiker und besonders um Thelonious Monk, der die letzten neun Jahre seines Lebens bis zu seine Tod im Jahre 1982 in ihrem “Cathouse” verbrachte.Die Baronesse Pannonica de Koenigswarter verstarb 1988 während einer Bypass-Operation im Alter von 74 Jahren.Sie hinterließ einen unfassbar großen Fundus an Material und Dokumenten über ihre ereignisreiche Zeit. Ihren Kindern und Enkeln ist es zu verdanken, dass dieses einmalige Buch überhaupt noch veröffentlicht wurde. Sie stießen eines Tages auf das komplette Manuskript und fanden in Frankreich einen sehr interessierten Verlag.Dieses Buch ist ein hervorragender Zeitzeugenbericht, das viele berührende Momente festhält aus einer Zeit, in der der Jazz seine vielleicht wichtigste Entwicklung genommen hat.Dieses Buch gibt es bei Amazon: Buch kaufen
22.08.2011
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