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08.03.2011 | Markus Muffler
Das Cover von »Thread of Life (ACT)«, dem ersten Soloalbum von Magnus Öström, wirkt zunächst leicht befremdlich, auf mich sogar ein wenig verstörend. Man sieht einen schmächtig wirkenden Mann mit einem Becken unter dem Arm, sein sehniger Oberkörper ist entblößt, er wirkt schutzlos, »stripped«. Beim weiteren Nachdenken über Magnus Öströms künstlerischen Weg und seine persönliche Geschichte, macht das Bild, so befremdlich es wirkt, allerdings sehr viel Sinn.
Öström war der Drummer der wohl wichtigsten und stilprägendsten europäischen Jazzformation der 90er- und beginnenden Nuller-Jahre. Die Rede ist vom Esbjörn Svensson Trio (e.s.t.) aus Schweden, das durch den tragischen Unfalltod Esbjörn Svenssons im Jahre 2008 jäh auseinander gerissen wurde. Dan Berglund, der Bassist von e.s.t., hat sich 2009 als erster aus der Schockstarre befreien können und mit »Dan Berglund’s Tonbruket (ACT)« ein fulminantes Soloalbum herausgebracht. Dass es bei Magnus Öström länger dauerte, ist sehr gut zu verstehen, denn er und Esbjörn Svensson waren Jugendfreunde, sie entwickelten gemeinsam ein musikalisches Profil und einen Stil, der so einzigartig und so frisch war, wie es der Jazz seit langem nicht mehr erleben durfte. Das Albumcover, wie es Magnus Öströms Verletzlichkeit zeigt, macht vor diesem Hintergrund absolut Sinn und stimmt sehr sensibel auf die wunderbare Musik ein.
Natürlich klingt das Album wie e.s.t.
Thread of Life wurde zwischen Sommer und Herbst 2010 aufgenommen, und Öström hat mit Andreas Houdarkis (Gitarren), Gustaf Karlöf (Keyboards) und Tobias Gabrielson (Bass), alle aus der Stockholmer Szene, eine wirklich hervorragende Band um sich geschart, die es schafft die ganze Bandbreite von Öströms Kompositionen einzufangen. Das Album erinnert natürlich an den e.s.t.-Sound, genau wie das auch Dan Berglund’s Erstlingswerk tat, glücklicherweise möchte man hinzufügen, denn beide Musiker fangen an das Loch langsam wieder zu füllen, das durch die e.s.t.-Tragik im europäischen Jazz im Allgemeinen entstanden ist.
»Thread of Life« verdeutlicht auch, wie stark Öströms Schlagzeugspiel den Stil von e.s.t. geprägt hat. Die Melodien sind verwoben, komplex und immer auf einen Höhepunkt hinarbeitend, der sich dann eruptiv entlädt. Besonders zeigt sich dies in »Piano Break Song«, dem zweiten Stück des Albums. Zur Mitte hin wird das Album sanfter, ruhiger und meditativer, fast könnte man meinen, Magnus Öström atmet durch, nachdem das erste Chaos vorüber war. Ganz besonders muss hier »Ballad for E« angesprochen werden, ein wirklich sehr besonderer Song. Magnus Öström hat dieses Stück bereits mit dem Line-up im Kopf komponiert: Er selbst an den Drums, Dan Berglund am Bass und Pat Metheney an den Gitarren, der einer der ganz wenigen Gastmusiker war, die mit e.s.t. live auf der Bühne standen.
Der Lebensfaden
Magnus Öström sagt, daß der Titel »Thread of Life« ein offensichtlicher für ihn war. Thread of Life, der Lebensfaden, hält alles zusammen und gibt ihm selbst die Inspiration für die Musik. Er sagt jedoch auch, daß dieser Faden allerdings auch sehr dünn ist, jederzeit durchtrennt werden kann, und wir uns dies im Umgang mit unserer Zeit auf der Erde immer vergegenwärtigen sollten. »Thread of Life« ist für mich ein ganz großes Album, das solch eine Sensitivität und Offenheit zeigt, wie man es im Jazz schon lange nicht mehr gehört hat.
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