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18.02.2011 | Dennis Wiesch
In Frankreich bewegt sich was. Nach dem Pianisten Yaron Herman erstrahlt nun ein weiterer neuer Stern am Jazzhimmel. Mit »Deus Ex Machina« hat der eigentlich für seine HipHop Produktionen bekannte 34-jährige Franzose Buddy Sativa ein erfreulich gutes sowie frisch klingendes Jazzalbum veröffentlicht. Zwar hat er einen komplett anderen Werdegang als Yaron Herman vorzuweisen und nähert sich der Musik auch auf eine ganz andere Art und Weise, herausgekommen ist nichts desto trotz eine richtig gute Platte.
Deutlich spürbar ist, dass Buddy Sativa bisher viel verschiedene Musik gehört zu haben scheint. So sind Referenzen zu westafrikanischer Trommelmusik und klassischer Musik genau so wenig zu überhören, wie Einflüsse aus Soul und Funk, gerade von Roy Ayers, Lonnie Liston Smith und der Band Pleasure, aus dem Afrobeat (Fela Kuti), dem HipHop und Reggae sowie natürlich aus dem Jazz. Gerade bei Herbie Hancock scheint sich der Franzose das filigrane sowie experimentelle und funky Klavierspiel abgeschaut zu haben.
Sativa sieht sich als Autodidakt, der den Start seiner Karriere in einem Geschenk eines Schulfreundes sieht: Ein kleiner spielzeugähnlicher Yamaha-Synthesizer, von dem er in der Folge überhaupt nicht mehr die Finger lassen konnte. Über seine Affinität zu elektronischen Beats und dem HipHop gelangte er zu Samplemaschinen und den entsprechenden Computerprogrammen und begann, erste Songs zu schreiben.
Nun, nach mehr als zehn Jahren des Experimentierens und Beatbastelns, hat sich Buddy Sativa an dieses Jazzprojekt herangetraut. Alle Songs auf »Deus Ex Machina« stammen aus seiner Feder, sind von ihm arrangiert und im Alleingang eingespielt worden! Das Album beinhaltet afrikanische Rhythmen, leicht psychedelische und Spiritual-Jazz Anleihen, klassische Jazzstrukturen, viel Vibraphon, ein wenig Flöte, einige Interludes und vor allem viel Spielfreude.
Eröffnet wird die Platte von einem zweiminütigem Pianosolo. Mit dem nächsten Song, »The Pilgrim«, werden Buddy Sativas Einflüsse mehr als deutlich. Das an Roy Ayers erinnernde Vibraphon, prägnante 80er Jahre Synthie-Lines, eine deutliche Reminiszenz an Herbie Hancock, ein repetitiver Afrobeat und ein wenig Freestyle, fertig ist die Wundertüte! Diesen eingeschlagenen Weg setzt Sativa auf den nächsten Stücken fort. Besonders gut gefällt mir das synkopische und zuweilen disharmonische Keyboardspiel des Franzosen, das sich Wohltuend von so vielen aktuellen glatt gebügelten Produktionen abhebt.
Mit »Peace Of Art« ist sogar eine schöne anmutig klingende Ballade auf diesem Album enthalten, die zwischen den anderen eher etwas hektischen Songs so was wie eine kleine Erholungspause darstellt. Direkt im Anschluss folgt das für mich stärkste Stück, »Amphitecna Latifolia (Theme For A Black Calabash)«. Bass und Schlagzeug erzeugen hier einen faszinierenden und zurückgelehnten Groove, auf dem es sich alle weiteren Instrumente bequem machen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Der Song baut über seine komplette Spielzeit von leider nur fünf Minuten eine faszinierende Spannung auf, die durch das an Steve Reich erinnernde Vibraphonspiel noch verstärkt wird. Abgerundet wird das Album durch das mitreißende »Waltz For The Leaving Souls«.
Buddy Sativa ist ein wirklich überzeugendes und experimentierfreudiges, beinahe schon mystisches Album gelungen. Die Freiheit, die ihm das kleine Label »Favourite« gegeben hat, nutzt er in vollem Umfang aus. Eine Freiheit, die gerade heutzutage viele Majorlabels ihren Künstlern nicht mal im Traum zur Verfügung stellen würden.
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