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16.11.2010 | Dennis Wiesch
Mit der Entdeckung des israelischen Pianisten Yaron Herman ist Siggi Loch, seines Zeichens Chef des Münchener Jazzlabels »ACT«, der nächste große Coup gelungen. Bisher beschränkte sich die Aufmerksamkeit auf das Talent des 29-jährigen hauptsächlich auf seine Wahlheimat Frankreich. Dort wurde sein erstes Trioalbum »A Time For Everything« von den zwei wichtigsten französischen Jazzmagazinen zum Album des Jahres gewählt und Herman prompt zur neuen Jazzhoffnung auserkoren.
»Follow the white Rabbit« hat Herman mit Hilfe des Bassisten Chris Tordini und des Schlagzeugers Tommy Crane eingespielt. Die beiden Amerikaner lernte er Anfang dieses Jahres auf einer Tour kennen und spürte schnell, dass da was gemeinsames Neues entstehen könnte. Es war schnell klar, dass eine große gemeinsame musikalische wie persönliche Basis bestand, auf die aufgebaut werden konnte. Und in der Tat, hört man diesem Trio beim Spielen zu, klingt es als ob sie schon seit unzähligen Jahren zusammenspielen.
Dass wir nun überhaupt in den Genuss von Yaron Hermans Klavierspiel kommen, ist in erster Linie einer schweren Knieverletzung in seiner Jugend geschuldet. Diese beendete tragischerweise abrupt seine aufstrebende Karriere als Basketballspieler in der israelischen Junioren-Nationalmannschaft. Herman war 16, als er mit dem Klavierspiel begann.
Die Musik dieses Trios hat eine ganz persönliche Note und ist von der Herangehensweise her sehr klassisch geprägt. Die insgesamt 14 Songs auf diesem Album stammen bis auf ganz wenige Ausnahmen aus der Feder des Israelis und verbinden ganz wunderbar verschiedene Elemente aus Jazz, Pop und der Klassik. Die Spielfreude der drei Musiker ist mehr als auffällig und mitreißend und schlägt sich unter anderem in den Songs »Saturn Returns« und »The Mountain In G Minor«, die hier beispielhaft aufgeführt werden sollen, wieder. Zwei Songs auf »Follow the white Rabbit« sind Coverversionen. So werden Nirvana’s »Heart Shaped Box« und »No Surprises« von Radiohead neu vertont und mit dem typischen Stil des Trios versehen. Dieser Stil verbindet Jazztradition und Moderne zu einem erfrischend neuen Klangbild voller Emotionen und Authentizität. Abgerundet wird das Album durch wundervolle Balladen wie »Ein Gedi« und »Baby Mine«, die sehr gekonnt die gefühlvolle Seite der drei Musiker zeigen.
Yaron Herman beweist einmal mehr, dass musikalische Kreativität für Trioalben noch lange nicht ausgeschöpft ist und immer wieder spannende neue innovative Musik hervorbringt. Dieses Trio sollte man definitiv im Auge behalten.
21.08.2011
Jan Obri
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