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01.11.2010 | Dennis Wiesch
Ein Album nach dem Big Apple zu benennen, geschieht nicht ohne Grund. Viele Songs wurden über New York geschrieben, viele sind nur so gespickt mit Schwärmereien und Zuneigung, manche aber auch mit Kritik und Unzufriedenheit. Die Texte dieser Songs beschreiben das Gute und / oder das Schlechte an der US-Metropole, beschäftigen sich mit dem Reiz dieser Stadt, seiner Geschichte, Kultur und seinen Bürgern. New York polarisiert und übt dadurch einen ganz besonderen Reiz aus. In dieser Stadt, die wie keine andere Stadt der USA dieses Land mitsamt seiner Einwohner, Lebensverhältnisse, Ideologien und Größenwahnvorstellungen am besten beschreibt, verkörpert und charakterisiert, pulsierte auch jeher schon die Musik.
Beschränken wir uns mal nur auf den Jazz und schauen zurück auf die 40er Jahre. New York war dem Rest des Landes weit voraus, jeder Musiker, der was auf sich hielt, kam in die Stadt um in einem der legendären Clubs in Harlem die großen Jazzer seiner Zeit zu beobachten und von ihnen lernen zu können. Diese Ära war die Geburtsstunde des Bebop, der den Jazz in seinen Grundfesten erschüttern und von da an völlig auf den Kopf stellen sollte.
Diese bestimmte Dekade und Zeit des Jazz und die damals herrschende Atmosphäre in der Stadt hat der Schlagzeuger Oliver Strauch als Inspiration genommen, um mit seinem Trio, bestehend aus Kenny Werner (Piano) und Matt Penman (Bass), für das Label »Jazz’n’Arts« eine Hommage an New York zu schreiben, erarbeiten und aufzunehmen.
Mit seiner Besetzung hat der in Saarbrücken geborene Strauch eine mehr als nur gute Wahl getroffen. Kenny Werner gilt als der Mentor von Brad Mehldau und arbeitete in seiner langen Karriere oft und sehr produktiv mit Archie Shepp zusammen. Matt Penman ist ein aus Australien stammender Bassist, der schon in den Bands von Madeleine Peyroux, Wolfgang Muthspiel und Eric Truffaz spielte und dem Grundgerüst des Oliver Strauch Trios die nötige Ruhe und Struktur verleiht.
Der 44-jährige Oliver Strauch wirkte schon auf über 40 CD-Produktionen als Leader und Sideman mit. Seit 2005 unterrichtet er an der Hochschule für Musik des Saarlandes, seit 2009 als Professor für Jazzschlagzeug. Im Jahre 2009 nahm er ein gemeinsames Album mit Randy Brecker auf.
Im Februar des letzten Jahres reiste das Trio nach New York, mietete sich in das Aufnahmestudio »System Two« in Brooklyn ein und machte sich auf die Suche nach dem New York Sound. Strauchs Idee war es, die Atmosphäre des Jazz der späten 50er Jahre für einen zeitgenössischen Hörer nachvollziehbar zu machen.
Taucht man in das »New York Album« ein, ist klar herauszuhören, dass es die erforderliche Ernsthaftigkeit, viel Musikverständnis und ein großes Traditionsbewusstsein enthält, die notwendig sind, um solch ein Projekt in die Tat umzusetzen.
Insgesamt sind nur sechs Songs auf diesem Album, dafür beträgt die Gesamtspieldauer mehr als 65 Minuten. Neben der einzigen Eigenproduktion »Brooklyn Mystery Suite« finden sich Cole Porters »Easy To Love«, Bruno Martinos »Estate« oder Jerome Kerns »The Song Is You« in neuen gut umgesetzten Interpretationen wieder. Besonders beeindruckend sind die sehr stilvollen Versionen des Klassikers »I Loves You Porgy« von George Gershwin und Mal Waldrons »Soul Eyes«. Das Trio harmoniert ganz prächtig, begeistert mit kreativen Soloeinlagen, einem technisch gekonnt und leidenschaftlichen Zusammenspiel und schafft es, gerade dem oft interpretierten »I Loves You Porgy« eine neue spannende Seite abzugewinnen.
So bleibt mir nicht mehr viel übrig, als begeistert zu sagen: »Mission erfüllt!«
21.08.2011
Jan Obri
Bezeichnender Song für meine wieder entdeckte Liebe zu 60s, Soul und R&B...
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