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10.09.2010 | Dennis Wiesch
Möchte man jemandem mit so wenig Worten wie möglich das neue Album von John Mellencamp beschreiben, würde ich den Ausdruck »Back to the roots« empfehlen. Selten war diese Bezeichnung treffender als hier. »No Better Than This« heißt das vor kurzem erschienene Werk des amerikanischen Vollblutmusikers John (Cougar) Mellencamp und bietet in dieser ach so digital gewordenen Welt eine äußerst erfrischende Abwechslung.
Von der Produktion her klingt es beinahe schon so wie eine Aufnahme aus den 1930er Jahren, wie man sie zum Beispiel von dem alten Bluesmusiker Robert Johnson kennt. Um dem Projekt den passenden Schliff verpassen zu lassen, konnte Mellencamp den legendären T-Bone Burnett als Produzenten gewinnen.
Alle Songs sind in Mono auf einem Ampex 601 Tonbandgerät aus dem Jahre 1955 aufgenommen worden, mit einem einzigen Mikrofon, ohne die Musik abzumischen und Overdubs einfließen zu lassen. Entstanden ist das Album während Mellencamps letzter Tour, die einzelnen Songs wurden an drei verschiedenen Orten eingespielt: in der First African Baptist Church in Georgia, in den Sun Studios in Memphis und in Zimmer 414 des Gunter Hotels in Texas, wo auch schon der oben bereits erwähnte Robert Johnson im Jahre 1936 den Song »Stones in my Passway« aufnahm.
»No Better Than This« basiert auf Einflüssen aus Blues, Country, Rockabilly, Folk und rauem Western Rock. Ab und an ist ein wenig Johnny Cash, Carl Perkins oder Bob Dylan herauszuhören, deren Klangbilder Mellencamp gelegentlich gekonnt in seine Musik einfließen lässt, ohne sie zu kopieren oder imitieren zu wollen.
Zwar wird Mellencamp von einer fabelhaften Band, bestehend aus Mitgliedern von Mellencamps Tour Band und Burnett’s Studio Band, begleitet, aber eigentlich ist diese völlig unwichtig, hier geht es ausschließlich um einen und der steht ganz klar im Mittelpunkt: John Mellencamp.
Der ganz spezielle und in heutigen Zeiten so ungewohnte Sound dieser Platte, die übrigens sinnvollerweise auch auf Vinyl erhältlich ist, erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre, die es schafft, jegliche Musiker und Klänge um Mellencamp herum auszublenden, oder besser gesagt, in den Hintergrund rücken zu lassen. Alles konzentriert sich ganz und allein auf seinen Gesang, sein Gitarrenspiel und die wie immer sich mit dem Leben auseinandersetzenden tiefgründigen Texte des auch politisch sehr aktiven Endfünfzigers.
Besonders hervorheben sind die beiden sehr intimen Songs »Thinking About You« und »Love At First Sight«, das eher rockige mitreißende Titelstück »No Better Than This« und der emotionale Folk-Blues-Song »A Graceful Fall«.
Richtig gute Songs glänzen gerne durch Reduziertheit und durch die Ausrichtung auf das Wesentliche. Es bedarf weniger und meist einfacher Mittel, um wahre Emotionen transportieren und interessante Geschichten erzählen zu können. Und genau das macht auch den Reiz von »No Better Than This« aus.
Manchmal sind die natürlichen fast schon primitiven Aufnahmetechniken einfach die besten.
reiner
10.09.2010 | 19:34
wer hätte gedacht, dass der alte haudegen nochmal so ein album raushaut. der wird auch seine - mit verlaub - alten tage von album zu album immer besser. höre seit ein paar tagen fast nichts anderes mehr als no better than this. tut mal wieder gut, so eine ehrliche platte zu hören.
Ein super Musiker. Tip: kauft doch auch mal seine Anthology: On the Rural route 7609-nicht so wie sonst diese Anthologies gemacht sind, sondern einfach super. 4 CD's und dazu ein ganz tolles Buch mit vielen Erläuterungen
Stevie Hay
03.10.2010 | 12:12
Ich muss zugeben, mit dem Kapitel Mellencamp schon vor langer Zeit abgeschlossen zu haben. Vieles hatte mir einfach nicht mehr gefallen. Alle Achtung für dieses Album, bin echt begeistert und positiv überrascht. Danke auch für diesen Artikel, ohne den ich sicherlich diese CD nicht entdeckt hätte.
21.08.2011
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