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27.08.2010 | Dennis Wiesch
Gerade im Jazz ist das Soloalbum oft ein Meilenstein der Karriere, es ist die persönliche Visitenkarte schlechthin. Wie könnte man sonst sein gesamtes Repertoire, kompositorisches Talent, Virtuosität, Kreativität und Technik so gut in Einklang bringen, wie auf einem Soloalbum. Nicht jeder traut es sich zu und es gibt sicherlich auch den ein oder anderen, der lieber nicht auf die Idee hätte kommen sollen.
Es bedarf vor allem einer Menge Selbstbewusstsein und Vertrauen in sein Können, aber auch Talent, um den Zuhörer über die Länge einer vollen CD in seinen Bann ziehen zu können. Es stellt so was wie die Kür aller bisherigen Produktionen und Performances dar. Natürlich gibt es einige Soloalben, um die kein (Jazz)Musikliebhaber herum kommt, so seien an dieser Stelle die großen Werke Thelonious Monks und Keith Jarretts aufgeführt, die jeweils exemplarisch für ihre jeweilige Zeit stehen.
Nun wagt sich niemand Geringeres als Vijay Iyer, einer der bedeutendsten, erfolgreichsten und inspirierendsten Pianisten der heutigen Zeit an sein Soloprojekt. Erschienen ist es auf dem äußerst erfolgreichen Münchener Label »ACT«, wo letztes Jahr auch schon seine Trioplatte »Historicity« veröffentlicht wurde. »Historicity« war für viele, mich eingeschlossen, das (Jazz-)Album des vergangenen Jahres. Iyer wurde mit Auszeichnungen und Preisen (u.a. der ECHO Jazz) überhäuft und die Kritiker waren voll des Lobes.
Auf »Solo« verbindet der amerikanische Pianist mit indischen Wurzeln geschickt viel Jazztradition mit beeindruckenden und kreativen eigenen Produktionen, die sich perfekt zu einem Gesamtbild zusammenfügen und das Album erst zu einem Erlebnis werden lassen. So interpretiert Vijay Iyer das sagenhafte »Epsitrophy« von Thelonious Monk, »Black & Tan Fantasy« und »Fleurette Africaine« von Duke Ellington, »Games« von Steve Coleman und den Standard »Darn that Dream«.
All die Neuinterpretationen umrahmen auf diesem Album die vier Eigenkompositionen Iyers. Es gelingt ihm, jedem Song seinen Stempel aufzudrücken und aus Stücken wie »Epistrophy«, ein Lied dass eigentlich in seiner ursprünglichen Form so perfekt ist, noch mehr herauszuholen. Iyer schafft es, diesem Stück neues Leben einzuhauchen, er verbindet das traditionelle mit seinem eigenen Spiel und Stil und verbindet beides zu etwas ganz Neuem. Faszinierend und spannend zugleich!
Zwei weitere zu beachtende Stücke sind die sehr rührende und melancholische Version von Michael Jacksons »Human Nature« gleich zu Beginn des Albums und das gefühlvolle »Fleurette Africaine«, komponiert von Duke Ellington.
Ich hatte schon lange nicht mehr so eine Freude, einem Pianisten bei seiner Arbeit, wenn man es denn so nennen mag, zuzuhören. Die rechte Hand Iyers, so leicht und unbeschwert, so schnell, flink und variabel sie über die Tastatur gleitet, scheint nur so vor Kreativität überzusprudeln. »Solo« ist purer Genuss und Herausforderung zugleich und setzt Maßstäbe für Nachfolger!
Noch zu sagen gilt, dass wir uns sehr freuen, Vijay Iyer mit seinem Trio am 21.10.2010 im Waldsee Freiburg begrüßen zu dürfen. Weitere Informationen über den Künstler, zu den Tickets und der Location gibt es hier.
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