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20.08.2010 | Dennis Wiesch
Walter Gibbons ist ein weiteres Phänomen der amerikanischen Discoszene der 70er Jahre. Dem 1994 im Alter von 40 Jahren an AIDS verstorbenen DJ, Remixer und Produzent erfährt wie vielen seiner Kollegen erst weit nach seinem Tod die wahre Wertschätzung für sein musikalisches Erbe.
In den frühen Siebzigern erarbeitete sich Gibbons in der New Yorker Underground Discoszene einen Ruf als sensationell guter DJ, der selbst in DJ-Kreisen für seine technischen Fähigkeiten höchste Bewunderung erlangte. Gibbons war der DJ der DJs, alle wollten ihm zuhören und von ihm lernen. Er beeinflusste spätere wegweisende DJs wie Larry Levan und Frankie Knuckles wesentlich und legte durch seine Produktionen den Grundstein für die ersten Gehversuche in Sachen House Music.
Walter Gibbons war auch der Erste, der auf die Idee kam, den Beat zweier verschiedener Platten ineinander zu mixen und übte dies mit einer technischen Perfektion aus, dass es wirklich jedem die Sprache verschlug.
Aber noch weitaus nachhaltiger sind seine Produktionen und vor allem seine Remixe. Gibbons’ Bearbeitung von Double Exposure’s »Ten Percent« gilt bis heute als Meilenstein für die Entwicklung von Tanzmusik, als Blaupause für House Musik und war zudem noch die erste kommerziell erhältliche 12“ Schallplatte. Veröffentlicht wurde sie auf dem legendären Discolabel »Salsoul«.
Wenn er Platten auflegte, fokussierte sich Gibbons immer stark auf die perkussiven Elemente der Songs und verwob diese mit den Grooves anderer Tracks. Er dehnte einzelne Songs auf mehr als zehn Minuten aus, konzentrierte sich auf kürzeste Beats und kleinste Breaks, editierte diese und kreierte so etwas völlig Neues.
Für seine Remixe arbeitete Gibbons sehr ähnlich. Ein respektvoller Umgang mit dem Original, wie es viele andere Produzenten zu der Zeit handhabten, war ihm fremd. Seine Intention war es, mit seiner Überarbeitung etwas völlig Neues entstehen zu lassen und den Song auf eine andere Ebene zu transportieren. Was ihm an den Songs nicht gefiel, schmiss er einfach raus und arbeitete nur mit den Tonspuren und Elementen eines Songs, die ihm zusagten. So schuf er wunderbare Remixe für Künstler wie Gladys Knight, Arthur Russell, Strafe, Dinosaur L und Sandy Mercer.
Die jetzt auf Strut Records erschienene Compilation »Jungle Music« fasst auf zwei CDs all die zwischen 1976 und 1986 entstandenen wegweisenden Produktionen des legendären DJs und Remixer zusammen und zeigt eindrucksvoll auf, das vor allem House Musik in ihrer heutigen Form sicherlich ohne Gibbons’ Werk nicht dieselbe wäre.
21.08.2011
Jan Obri
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