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16.08.2010 | Dennis Wiesch
»Phronesis« stammt aus der Wortschöpfung des griechischen Philosophen Aristoteles. Ins Deutsche übersetzt heißt es so viel wie Besonnenheit und Klugheit. Laut Aristoteles ist es die Gabe, durch sein Handeln Veränderungen herbeizuführen, insbesondere um die Lebensqualität zu verbessern. Diese Besonnenheit ist, um tugendhaft zu sein, sowohl notwendig wie auch genügsam, setzt allerdings Erfahrung als notwendiges Merkmal voraus.
Eine Gegebenheit, die der dänische Bassist Jasper Hoiby und sein Trio mehr als zu Genüge erfüllen. Alle Drei blicken schon auf eine längere Musikkarriere zurück, in der sie in verschiedensten Formationen ihre Sporen verdienten. Schlagzeuger Mark Guiliana trommelte zum Beispiel schon für Meshell Ndegeocello und Avishai Cohen und Pianist Ivo Neame erarbeitete sich längst einen ausgezeichneten Ruf als Studiomusiker.
Als Bandleader zeichnet sich Hoiby auch für die Namensgebung verantwortlich und wählte – inspiriert durch Aristoteles - den Namen »Phronesis«. Und es scheint, als ob die Band die Worte des Philosophen stark verinnerlicht hätte.
Das Handeln jedes einzelnen Musikers sorgt für nachhaltige Änderungen in der Songstruktur. Jeder scheint den anderen durch sein Spiel zu inspirieren und motivieren, ihn dazu zu bringen, sich mit dem gerade Gespieltem auseinander zu setzen, darauf einzugehen und durch Improvisation das Stück weiter voran zu bringen.
Genau dies ist auf dem mittlerweile dritten Album dieser Combo bestens zu hören. »Alive« heißt das gute Stück und zieht einen durch seine Verspieltheit, tollen Arrangements und einen beeindruckenden Groove direkt in seinen Bann. »Alive« ist stark durch Hoibys melodiöses und sinnliches Bassspiel geprägt. Er ist es, der dem Trio Leben einhaucht, jeden Musiker zu Höchstleistungen antreibt und ganz klar das Tempo vorgibt.
Die nur acht Stücke auf diesem Album haben teilweise eine Länge von über zehn Minuten, in denen der Zuhörer auf eine kleine Reise mitgenommen wird. Ruhige und schnelle, beinahe schon hektische Passagen wechseln sich ab und zeigen das enorme Repertoire und die verschiedenen Einflüsse der Band auf. Hierfür sei direkt das Titelstück »Blue Inspiration« und vor allem »Abraham’s New Gift«, bei dem sich Guiliana auf absolut beeindruckende und mitreißende Weise die Seele aus dem Leib trommelt, beispielhaft erwähnt.
Da scheinen sich auf jeden Fall drei Musiker gesucht und gefunden zu haben. Noch zu erwähnen sei die Tatsache, dass dieses Album tatsächlich in zwei Aufnahmesessions live vor Publikum eingespielt wurde und das begeisterte Klatschen des Publikums die Qualität der Musik von Phronesis nur noch unterstreicht.
21.08.2011
Jan Obri
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