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26.07.2010 | Dennis Wiesch
Mit »Perpetual« begeistert der in Amsterdam lebende Pianist Gideon van Gelder die Jazz-Welt. Bisher ist sein Name eigentlich nur eingefleischten Jazz-Kennern und Fans des Albums »Black Magic« von José James ein Begriff, glänzt er auf diesem unglaublich guten Soul-Album doch auf diversen Songs durch sein warmes, intensives und melodiöses Klavierspiel. Die Songs für das erste eigene Album sind im Laufe der letzten drei Jahre während seines Aufenthalts in New York entstanden. »Perpetual« ist im Grunde die ganz eigene musikalische Postkarte aus dieser Zeit von dieser Stadt.
Mit dem holländischen Label »Kindred Spirits« hat der Pianist und Komponist zudem die entsprechende Plattform gefunden, in Ruhe sich und seinen Sound zu finden und diesen weiter entwickeln zu können. Gelernt hat Gideon unter anderem bei dem US-amerikanischen Pianisten Vijay Iyer und Craig Taborn, sowie bei seiner Mutter, von der er gerne auch mal Melodien in seine Stücke übernimmt und einbaut.
Sein größter Einfluss ist sicherlich der amerikanische Freejazz-Pianist Andrew Hill, für dessen Nachwuchs-Award er sogar schon eine Nominierung einheimsen konnte. Augenscheinlich ist, dass es van Gelder nicht nur um Technik und Arrangements geht, er will mit seiner Musik Geschichten erzählen und die Emotionen hinter diesen beleuchten. Seine besondere Stärke ist es, diese dann durch eine imponierende Reihe an Akkorden dem Zuhörer zu vermitteln, wie der Schluss des Titelstücks »Perpetual« eindrucksvoll aufweist.
Aber auch van Gelders Klavierspiel und seine Kompositionen wären nie so ausdrucksstark, wäre da nicht seine sechsköpfige Band im Hintergrund. Die Musiker flössen den Songs das nötige Leben ein, während Gideon durch sein eigenwilliges Spiel, durch Pausen und Überleitungen alles aus dem Klavier herausholt und sich als Bandleader aber immer wieder auch vornehm zurückhalten kann.
Es ist wunderbar herauszuhören, wie gut van Gelder das Zusammenspiel seiner gewaltigen Rhythmussektion, bestehend aus Rick Rosato (Bass) und Flin van Hemmen (Schlagzeug), auf der einen Seite und den beiden Saxophonisten Lucas Pino (Tenor) und Lars Dietrich (Alt) auf der anderen Seite koordiniert. Im Handumdrehen wandelt die Band geschickt von kraftvollem und ausdrucksvollen Spiel zu lyrischen ruhigen Passagen, in denen gerade der spärlich gezupfte Bass Rosatos eine wahre Freude ist und die Sängerin Becca Stevens durch ihren wortfreien und fesselnden Gesang eine ganz spezielle emotionsgeladene Stimmung erzeugt. Zusätzlich wird auffällig, dass jedem Musiker in den einzelnen Stücken viel Raum für Improvisationen und freie Entfaltung gegeben wird. Raum den jeder einzelne Protagonist auch qualitativ ansprechend zu füllen weiß.
Gideon van Gelder und seine Band beweisen auf diesem Album sehr überzeugend, wie man das meiste aus einem ganz bestimmten Moment herausholen kann. Wie es der Albumtitel schon sagt, bleiben die Melodien und Bassläufe beständig und fortwährend bestehen und wollen einfach nicht aus den Gehörgängen des Zuhörers verschwinden. So ist »Perpetual« ein Album das mit jedem Hören wächst und immer weitere Klangwelten offenbart. Eine der Überraschungen des Jahres!
Bei Amazon ist dieses Album leider nur als MP3-Download erhältlich!
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