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26.05.2010 | Dennis Wiesch
Mood Records ist eines der bedeutendsten Musiklabels der deutschen Jazzgeschichte. Gegründet wurde es 1977 gemeinsam von Volker Kriegel, Wolfgang Dauner und dem Fernsehproduzenten Werner Schretzmeier. Es sollte als Plattform dienen, die immer populärer werdende Fusion aus Jazz und Rock einem großen Publikum zugänglich zu machen.
Die erste Veröffentlichung »Live im Schützenhaus« vom United Jazz+Rock Ensemble, einer Art Supergroup bestehend unter anderem aus den Mitgliedern John Hiseman, Barbara Thompson, Albert Mangelsdorff, entwickelte sich prompt zum Kassenschlager und gilt bis heute als das meistverkaufte deutsche Jazzalbum aller Zeiten. Entschieden dazu beigetragen hat der damalige Vertrieb »Zweitausendeins«, der allein über eine 1,2 Millionen Kontakte umfassende Datenbank verfügte. Nun hat sich das Label »inakustik« den Backkatalog von Mood Records zur Brust genommen und einige der legendären Alben auf CD wieder veröffentlicht. Nach dem Prinzip »2:1« finden sich auf jeder Doppel-CD zwei Originalalben. Hier ein kurzer Überblick über die bisher erneut erschienenen Werke:
»Changes« ist das Ergebnis einer Soloproduktion Wolfgang Dauners, bei der er mit dem 1971 aktuellsten elektronischen Klangerzeuger (EMS Synthi 100 und Oberheim 4 Voice ) in Verbindung mit einem Flügel seine Klangvorstellungen im Jazzbereich realisierte.
»Zeitläufe« dagegen war eine Auftragsarbeit. Es ging um die Vertonung eines griechischen Kalenders des Fotografen Manfred Rieker. Bei der Beschäftigung mit der altgriechischen Musik stieß Wolfgang Dauner dabei auf das älteste überlieferte Musikstück, das 400 vor Christus auf der Grabsäule des Seikilos in Kleinasien eingraviert wurde - das Seikilos Lied. Es fordert als Trinklied zum Genuss des kurzen Lebens auf.
Der Gitarrist Volker Kriegel verhalf dem Jazzrock in ganz Europa zum Durchbruch. Er war das Kraftzentrum im Dave Pike Set, leitete eigene innovative Bands wie Spectrum und das Mild Maniac Orchestra, begleitete u.a. Klaus Doldinger und setzte mit seinem eleganten Spiel Akzente im United Jazz + Rock Ensemble. Vor seiner Musiker-laufbahn studierte Volker Kriegel Soziologie. In den letzten Jahren vor seinem Krebstod 2003 erwarb er sich Meriten als Cartoonist, Illustrator, Übersetzer und Kinderbuchautor. »Palazzo Blue« aus dem Jahre 1987 war Kriegels letztes Soloalbum, »Journal« ist 1981 erschienen.
»Live im Schützenhaus« ist das Urgewächs, das erste und überraschend erfolgreiche Album des United Jazz + Rock Ensembles. Die Aufnahmen waren unter abenteuerlichen Umständen zustande gekommen. Das Schützenhaus, ein kleines ehemaliges Vereinsheim war so Knüppel voll, dass die Band nur mit Müh’ und Not ihre Instrumente und die Mikros auf einer kleinen improvisierten Bühne platzieren konnten. Es gab keine Hinterbühne. Wer einmal auf der Bühne war, konnte sie nicht mehr verlassen. Die Band war total von einer Menschenmasse eingeschlossen. Hier die eindrucksvolle Besetzung des Ensembles: Ian Carr, Wolfgang Dauner, Jon Hiseman, Volker Kriegel, Albert Mangelsdorff, Charlie Mariano, Ack Van Rooyen, Barbara Thompson und Eberhard Weber.
»Live in Berlin« war auch eines der Konzerte, bei dem die Spielfreude und die Power der Band nicht zu überhören war. Es war der Beginn einer 35-jährigen Erfolgsserie mit über zehn erfolgreichen Alben. Die Musiker auf diesem Album waren Wolfgang Dauner, Jon Hiseman, Volker Kriegel, Albert Mangelsdorff und Barbara Thompson.
Wolfgang Dauners Wunsch war, originäre Produktionen zu veröffentlichen und keine stilistischen Schranken aufzubauen. Das Ergebnis ist das unglaubliche Erfolgsprogramm des United Jazz + Rock Ensembles. Was in diesem Falle das Binnenklima so angenehm machte, war die vorsätzliche Toleranzgemeinschaft, der gegenseitige Respekt, der Umstand, dass alle sich gegenseitig nichts mehr beweisen mussten, aber auch die freundschaftlichen Verflechtungen jenseits der Musik. Nachdem das United Jazz + Rock Ensemble schon über zehn CDs veröffentlicht hatte, stellten sie die Komponisten in ihrer stilistischen Eigenart getrennt vor: »United plays Wolfgang Dauner« oder »United plays Volker Kriegel«. Mit diesen Zusammenstellungen wurden die musikalischen Genres Rock und Jazz sowie der persönliche Touch und die Originalität der United Komponisten noch mal zusammenfassend vorgestellt.
22.08.2011
Jan Obri
Bezeichnender Song für meine wieder entdeckte Liebe zu 60s, Soul und R&B...
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