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04.05.2010 | Dennis Wiesch
Nach etwa zwei Jahren Sendepause meldet sich einer der prägendsten englischen Künstler in Sachen elektronischer Musik mit einem neuen Album zurück. Matthew Herbert heißt der Mann, die neue Platte »One One« und ist der erste Teil einer neuen Trilogie. Die beiden Alben »One Club« und »One Pig« werden bald folgen.
Schon Mitte der 90er Jahre setzte Herbert mit seiner ersten 12 Inch ein erstes Ausrufezeichen, musikalisch war diese Platte irgendwo zwischen House und Techno anzusiedeln. In den nächsten Jahren erarbeitete Herbert sich einen fantastischen Ruf als Produzent, Musiker und hervorragender Remixkünstler. Für seine Samples griff er schon immer auf ungewohnte Quellen zurück, so ist das Album »Plat du Jour« auf einer Grundlage von unzähligen Küchengeräuschen entstanden.
Zudem gab es eine Zeit, da kam kaum eine Produktion ohne einen Remix von Matthew Herbert auskam. So ließen Artists wie Moloko, Blaze, Nils Petter Molvaer, Louie Austen, Jazzanova – um nur einige zu nennen - den sympathischen Briten ihre Songs überarbeiten. Vor einigen Jahren veröffentlichte das englische Label »Peacefrog« eine hörenswerte Zusammenstellung all seiner Remixe als Doppel-CD unter dem Namen »Secondhand Sounds«. Neben seinen eigenen Werken produzierte Herbert auch äußerst gefeierte Alben von Roisin Murphy und Dani Siciliano, die er mit seinem sehr eigenen Sound prägte. Aber selbst dies schien ihn nicht genug ausgelastet zu haben, so wurde die Matthew Herbert Big Band aus der Taufe gehoben und unter verschiedensten Synonymen (Doctor Rockit, Radio Boy) zum Teil recht experimentelle elektronische Musik veröffentlicht.
»One One« ist sein siebtes Studioalbum und klingt im Vergleich zu den Vorgängern erstaunlich ruhig und an vielen Stellen unaufgeregt. Die zehn Songs tragen die Namen international bekannter Städte und auch dem kargen Booklet lassen sich - wie bei ihm gewohnt - keine Informationen abgewinnen. Herbert macht also das was er immer schon am besten konnte, er lässt die Musik für sich sprechen. Ein besonderes Merkmal des Albums ist, dass Herbert zum ersten Mal selbst singt, und das auch noch gut und durchgängig auf jedem Song. Die Beats, immer schon ein Markenzeichen Herberts, sind nach wie vor ausgetüftelt und spannend, tragen die Songs aber eigentlich nie, sondern untermalen eher und halten sich dezent im Hintergrund auf. Songs wie »Manchester« und »Dublin« haben Anleihen an den Folk, das Stück »Berlin« ist wie gemacht für den perfekten Sonnenuntergang, »Leipzig« wird von einer prägnanten 80er Jahre Elektro-Boogie - Bassline geprägt und »Palm Springs« von heftigen Drum Patterns erschüttert. Insgesamt klingt das Album an manchen Stellen irgendwie unfertig und ein wenig unbeholfen (z.B. im Song »Singapore«) sowie weniger stringent als frühere Werke, bekommt so aber gerade nach mehrmaligem Anhören einen ganz besonderen Charme. Und so wie er mit »Valencia“ das Album ausklingen lässt, gerät man in eine sehr andächtige Stimmung und kann gar nichts anderes denken als »alles wird gut«. Bin schon sehr auf die nächsten beiden Alben gespannt!
22.08.2011
Jan Obri
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