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10.03.2010 | Dennis Wiesch
Dass der in Freiburg lebende Bassist Dieter Ilg in seiner mittlerweile 30 Jahre währenden Karriere in der Lage ist, auch über den Jazz-Tellerrand hinausblicken zu können, hat er schon das ein oder andere Mal eindrucksvoll bewiesen. Gerade auf seinen eigenen Produktionen, viele davon erschienen auf seinem Label »Fullfat«, ist dieses immer schon auffällig gewesen.
Aber auch neben Alben wie »Bass« oder »Fieldwork« hat Dieter Ilg an den verschiedensten Produktionen und in diversen Live-Formationen, ob bei Albert Mangelsdorff, John McLaughlin, Till Brönner, Randy Brecker, Thomas Quasthoff, Charlie Mariano oder Rebekka Bakken mitgewirkt.
Auf seiner neuen CD »Otello«, die Ilg mit den Musikern Rainer Böhm (Piano) und Patrice Heral (Schlagzeug) eingespielt hat, nähert sich der Bassist Ilg der gleichnamigen Oper Giuseppe Verdis.
Diese Oper und vor allem die sagenhafte Orchesterstelle für Kontrabass aus dem IV. Akt fesselte Ilg schon zu Anfang seiner Karriere und begleitete ihn bis zum heutigen Tag.
Nun hat er sich diesem Thema angenommen und es in einem weitaus jazzigerem Kontext zur Geltung gebracht. Mit Böhm und Heral fand er zudem seine Wunschbesetzung für die anstehenden Aufnahmen und schnell war das Trio geboren. Ein Trio das sich gesucht und gefunden zu haben scheint. Ilg hat ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Musiker bewiesen, denn ihr Zusammenspiel ist atemberaubend und kann nur mit blindem Verständnis für einander erklärt werden.
Herausgekommen ist ein Album, das einen fordert und einen eindrucksvollen Einblick in Ilgs wundervolle Auffassungsgabe von klassischer Musik gebietet.
Die insgesamt elf Stücke sind nicht bloß eine simple Aneinanderreihung von einzelnen Liedern, der rote Faden ist von Anfang bis Ende deutlich zu erkennen. Groovige Stücke wie »Fuoco Di Gioia« werden von ruhigeren Stücken mit sehnsüchtigen Harmonien wie »Inaffia L’Ugola« abgelöst. Herausstechend, wenn man das überhaupt sagen kann, sind die beiden Titel »Jago« und »A Questa Tua«. »Jago« beginnt mit einem fesselnden Bass-Solo Ilgs, in das nach etwa zwei Minuten seine Mitmusiker einsteigen, den Song und seinen Groove weiter transportieren, kontinuierlich steigern und auf seinem Höhepunkt eine überraschende Wendung nehmen. Urplötzlich setzt ein Beat, der seine Inspiration im HipHop gefunden hat, ein und verleitet einen, unterstützt durch Herals Scat-Einlagen und Scratchanleihen mitsamt eines repetitiven Grooves, tatsächlich zum Kopfnicken. Das anschließende Stück »A Questa Tua« bringt einen wieder auf den Boden der Tatsachen und lässt einen Moment durchatmen, ehe man von Böhms bezauberndem Klavierspiel, durch das sich eine andächtige Ballade entwickelt, erneut in seinen Bann gezogen wird. Und so geht es weiter, ein Wechselspiel zwischen Groove, feinfühligen sanften Klängen und überraschenden harmonischen Wendungen. Ilg hat durch seine Kompositionen ein Fundament geschaffen, das allen drei Protagonisten viel Freiraum zur eigenen Entfaltung gewährt und ein anspruchsvolles aber nie zu »schweres“ Album hat entstehen lassen. Dieses Trio hat sich in der Tat gesucht und gefunden.
Den krönenden Abschluss macht das Titelstück »Otello«, das alle oben beschriebenen Bestandteile dieses Albums zusammenfasst. Hier nimmt das Trio noch mal an Fahrt auf und zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, dass dieser Schritt der Neubearbeitung wesentlich mehr als nur eine gute Idee war und dieses Album für potentielle Nachahmer die Messlatte immens hoch gelegt hat.
Wir freuen uns außerordentlich auf den Auftritt von Dieter Ilg mit seinem Soloprogramm »Bass« auf dem Between the Beats Jazz-Festival am 24.09.2010!
Weitere Infos und Tickets gibt es hier.
22.08.2011
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